Adventsfenstereröffnung im Aschingerhaus am 07.12. 2018

Das Kulturdreieck beteiligt sich zum ersten Mal an der Adventsfenster-Aktion. Wie bereits in den vergangenen Jahren werden dabei in 24 Häusern im Ortskern 0berderdingens Adventsfenster liebevoll gestaltet. So kann man bei einem Abendspaziergang vor-weihnachtliche Stimmung erleben. Das Aschingerhaus, die Spielstätte der Veranstaltungen des Kulturdreiecks, reiht sich in diesem Jahr zum ersten Mal in diesen „Adventskalender der besonderen Art“ ein.

Aus Anlass der Eröffnung des Adventsfensters im Aschingerhaus kamen ca. 90 Besucher in den Hof des Aschingerhauses. Das Vokalensemble CANTUS OMNIBUS, eine Gruppe herausragender Männerstimmen, zauberte mit Weihnachtsliedern eine adventliche Stimmung herbei. Der Nikolaus verteilte kleine Präsente an Kinder und Erwachsene. Die Mitglieder des Kulturdreiecks bereiteten Glühwein, Punsch und heiße Würste. Bewundert wurde das von den Mitgliedern gestaltete Adventsfenster, das mit einer Vielzahl von Sternen geschmückt ist.

Herzlichen Dank an die Gemeinde Oberderdingen, den Bauhof Oberderdingen, Dieter Weisert, die Schreinerei Ippich, die Metzgerei Klotz und die Bäckerei Weigel für die Unterstützung - und natürlich dem Nikolaus für seinen Besuch.

CANTUS OMNIBUS ist ein junges Männervokalensemble aus dem Kraichgau, welches seit 2015 in dieser Formation besteht und die gemeinsame Leidenschaft für den Männerchorklang teilt. Ein Schwerpunkt des Repertoires bildet die traditionelle Chormusik der klassischen Romantik. Die Bandbreite reicht jedoch von Klängen der Rennaissance bis hin zu zeitgenössischen klassischen Werken, sowie vokaler Popmusik. Auch eigene Arrangements fließen hierbei mit ein. Das Ensemble besticht durch seinen homogenen Klang sowie feinfühlige Interpretationen und kleidet in die Jahre gekommene Chorliteratur neu ein. Cantus Omnibus leistet somit seinen ganz persönlichen Beitrag zur Pflege des - ins Besonderen deutschen - musikalischen Kulturguts.








Jazz meets Classic“ mit dem Duo „Vibraslap“ am Freitag, 26.10.2018 im Aschingerhaus Oberderdingen

 

 

Zhivko Peshev, Schlagzeuger beim Landes-Polizeiorchester Baden-Württemberg, ist mit seinen Schlaginstrumenten eine feste Größe bei Kindern und Jugendlichen in Oberderdingen, weil er seit 8 Jahren in der regelmäßig stattfindenden Kinderkunstwoche Interesse und Begeisterung für Vibrafon und Marimbafon weckt. So waren auch viele jugendliche Fans des bulgarischen Schlagzeugers mit ihren Eltern und Großeltern ins ausverkaufte Aschingerhaus gekommen, um ihn in einem Konzert zu erleben. Die Gemeinde Oberderdingen, das KulturDreieck Oberderdingen und ein Sponsoring der E.G.O. hatten den Abend gemeinsam ermöglicht. Peshev konnte sich bei dieser Gelegenheit einen lange gehegten Wunsch erfüllen: ein gemeinsames Konzert mit seiner Frau Aleksandrina, die als Kontrabassistin in mehreren Orchestern national und international tätig war und ist. Die beiden bulgarischen Musiker, die an deutschen Hochschulen ihre musikalische Ausbildung erhielten, hatten für diesen Abend Stücke für ihre beiden Instrumente arrangiert, was neben ihren gleichzeitigen beruflichen Einsätzen in Orchestern und Ensembles nicht immer einfach war.

Die Auswahl der Stücke ließ die Zuhörer einige musikalische Neuentdeckungen machen. So etwa die Nummer „Motivy“ des bulgarischen Komponisten Emil Tabakov, die, ursprünglich als Solo für einen Kontrabass geschrieben, von den Peshevs zu einem Dialog zwischen Kontrabass und Rhythmusinstrumenten ( Cajun, Shaker) umarrangiert wurde. Die Musik zeichnet die rauhe Landschaft im Rhodopi-Gebirge Bulgariens nach, wobei Aleksandrinas Kontrabass souverän von den tiefsten bis in die höchsten Lagen gleitet. Das erste Vibrafonsolo Zhivkos im Programm „Incenso“ („Weihrauch“) stammt von Saverio Tasca, einem der bedeutensten Vibrafonisten, bei dem Zhivko einen Meisterkurs besuchen durfte. Virtuos tanzten seine vier Klöppel über die Metallplatten und spielten Begleitung und Melodie gleichzeitig.  Ein bulgarisches Tanzstück des Duos „Tulpe und Tanz“, einen Hochzeitsbrauch musikalisch umrahmend, vereinigte die Trauer des Abschiedsnehmens von den Eltern mit der Freude des Ankommens in der neuen Ehe. Der zweite Schwerpunkt des Abends waren Bearbeitungen für Vibrafon/Marimbafon und Kontrabass von Stücken, die das Publikum aus Orchester- oder Bandbesetzung kannte. So etwa das Largo aus dem zweiten Satz von Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, Johann Sebastian Bachs „Air“ aus der Orchestersuite No. 3 oder Edward Elgars „Nimrod“. Den Abschluss bestritten Zhivko und Aleksandrina Peshev mit André Waigneins „Tribute to Lionel Hampton“, der das Vibrafon als Jazzinstrument populär gemacht hatte. Bei diesem spektakulären Stück kann das Publikum nicht anders als in Begeisterung verfallen. Aleksandrina konnte hier ihre Slap-Technik einbringen und so auf dem Kontrabass einen perkussiven Klang erzeugen, daher auch der Name des Duos „Vibraslap“.

Das Besondere an diesem Abend war, dass zwei Instrumente, die in der Regel ganz weit weg vom Publikum platziert sind, jetzt ganz aus der Nähe und als Soloinstrumente wahrgenommen werden konnten, zum Klingen gebracht von exzellenten Könnern ihres Faches.

Horst Immel, KulturDreieck Oberderdingen

 





 

Michael-Ende-Abend mit Rainer Markus Wimmer im Aschingerhaus am   14.09.2018

Seit dem Frühjahr dieses Jahres läuft in unseren Kinos die erste „Realverfilmung“ von Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, in der mit Computereffekten massiv die Phantasiewelt des Klassikers als Abenteuerstory inszeniert wird. In diesem Film wird neuerlich das Vorurteil bedient, dass es sich bei Michael Ende um einen bloßen Kinderbuchautor handelt. Am 14.09.2018 war Rainer Markus Wimmer im Aschingerhaus Oberderdingen bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Gemeinde Oberderdingen und des Kulturdreiecks Oberderdingen zu Gast, um mit diesem Vorurteil aufzuräumen. Rainer Markus Wimmer sieht sich in der Tradition der Liedermacher Wecker, Hirsch, Sulke und Kreisler, die ihre Gedanken und Beobachtungen in kritische Lieder umsetzten. Seit 1982 hat er auf sieben CDs seine eigenen Gedanken in Lieder umgemünzt. Auf seiner neusten CD „Ihm ging es um die Kunst“ hat er neun Balladen von Michael Ende vertont, die er in seinem Soloprogramm im Aschingerhaus zu Konzertgitarre und Westerngitarre vortrug. Der Titel seines Programms stammt aus der bekannten „Ballade vom Seiltänzer Felix Klingenbeil“, die die Sentenz enthält „Ihm ging’s nicht um den Ruhm der Welt, ihm ging es um die Kunst“. Diese Zeilen verwendet Rainer Markus Wimmer als Motto, um Michael Ende aus der Kinderbuchecke herauszuholen und als einen vielschichtigen Autor und Denker vorzustellen. Hatte doch Michael Ende Anfang der 70er Jahre Deutschland in Richtung Italien verlassen, weil ihm, wie er selber schrieb, die Kritiker nicht vergeben konnten, dass er „aus der Kinderzimmertür“ kam.  

Zur Rehabilitation von Michael Ende hat Rainer Markus Wimmer einen Ende-Abend entwickelt, in dem er Lieder, Texte und Geschichten von und über Michael Ende zusammenführt. Dabei verortet er den Autor nicht im Reich der Fantasy oder Science-Fiction, den die Filmindustrie aus ihm gemacht hat, und erhebt auch nicht den ewigen Vorwurf des Eskapismus. Ihn reizte als Naturwissenschaftler und Ingenieur die Aussage Michael Endes, dass das „Weltbild des Nur-Beweisbaren, trotz seiner immensen Kompliziertheit, letzten Endes ganz einfach zu langweilig ist“. Bei der Bearbeitung der Ende-Texte entdeckte Wimmer, wie ein Blick in das Reich der Phantasie, der Kunst und der Mythen die Sicht auf die messbare Wirklichkeit entscheidend verändern kann, ja dass man die Wirklichkeit letztlich nicht beschreiben kann, wie die Ballade „Der wirkliche Apfel“ beweist. Kunst und Phantasie kommen für Rainer Markus Wimmer wie für Michael Ende der Wahrheit näher als das Beweisbare.

Im Ablauf seines Programms ergänzt Rainer Markus Wimmer die von ihm komponierten Musikstücke auf die Texte der Balladen von Michael Ende mit passenden Äußerungen aus der Feder Endes. So kombiniert er das Stück „Lobgesang auf Nicht-Erfinder“ mit wachstumskritischen Äußerungen zu unserem Wirtschaftssystem. In ihren Zusammenhang eingebettet werden auch „Das Lied von der Anderwelt“ und „Die Ballade von der wundersamen Köchin“, angereichert mit u.a. Texten über Toleranz, die Liebe und das Wesen der Schildkröte, dem Lieblingstier von Michael Ende. So entsteht ein weitgefächerter Bilderbogen über Leben und Werk Michael Endes.

Die von Wimmer komponierten Melodien zu den Balladen zeugen von seiner langen Erfahrung als Liedermacher. Sie sind nicht, wie viele musikalische Bearbeitungen von Ende-Texten, verträumte sphärische Klänge, die die Zuhörer in illusionäre Welten schicken, sondern musikalisch auf den Text abgestimmte Rhythmus- und Klangfolgen, die die Zeilen Endes eindrucksvoll erlebbar machen. Text und Musik ziehen, wie beim Liedermacher üblich, an einem Strang. Oft kommt es auch in der Melodie zu überraschenden Wendungen, die in einem musikalischen Trugschluss münden, bevor eine neue Harmonie aufgenommen wird, die zum eigentlichen Ende führt.

So entlässt Rainer Markus Wimmer seine gut 50 Zuhörer im Aschingerhaus mit einer neuen Sichtweise auf Michael Ende, die vielschichtiger und differenzierter ist als die, mit der sie kamen.

Horst Immel, Kulturdreieck Oberderdingen 



„Best off“ Marcel Adam

Open-Air-Konzert im Innenhof des Aschingerhauses am Freitag, 27. Juli 2018

Zum dritten Mal zu Gast in Oberderdingen war am 27.07. 2018 der lothringische Liedermacher und Chansonnier Marcel Adam im Rahmen der Freitagskonzerte im Aschingerhaus.  Veranstalter waren das Kulturdreieck Oberderdingen zusammen mit der Gemeinde Oberderdingen. Marcel Adam hatte seine hochkarätigen Musikerkollegen Christian Conrad (Zupfinstrumente) und Christian Di Fantauzzi (Akkordeon, Saxofon) mitgebracht, um unter optimalen Bedingungen ein Open-Air-Konzert im fast fertiggestellten Innenhof des Aschingerhauses zu veranstalten. Das neue Künstleratelier im Hof wurde an diesem heißen Sommerabend von mehr als siebzig Besuchern zum ersten Mal als Erfrischungstheke in Besitz genommen. Die Gemeinde Oberderdingen als Mitveranstalter hatte durch den Bauhof die nötige Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Zum Schluss der Veranstaltung schaute dann noch der angesagte Blutmond im Innenhof des Aschingerhauses vorbei und rundete den schönen Sommerabend vollends ab.

Marcel Adam, seit 37 Jahren in Deutschland und Frankreich unterwegs, ist nicht nur ein exzellenter Musiker und Songschreiber, sondern auch ein witziger Entertainer, der immer wieder Anekdoten aus Begegnungen mit seinem Publikum oder witzige Bemerkungen über die schnelllebige Hektik, die die moderne Welt der digitalen Medien verbreitet, als Überleitung benutzt. Dabei ist für ihn der enge Kontakt mit dem Publikum im kleinen Rahmen sehr wichtig. Hier scheint ihn der direkte Blickkontakt mit seinen Zuhörern richtig zu beflügeln.  Marcel singt in drei Sprachen: lothringisch, deutsch und französisch. Drauf hat er natürlich Lieder, bei denen er das Publikum den Refrain mitsingen lässt. In „Die Mittwochnachmittage“, in dem zwei verschiedene Arten von Therapie aufeinandertreffen, müssen die Zuhörer fragen „Und du, was machst du denn jetzt?“. Das Besondere an den von ihm vorgetragenen Liedern besteht aber darin, dass sie die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle abdecken, von Sehnsucht über Freude bis zu Enttäuschung und Trauer.  Dazu gehört sein Lied im lothringischen Dialekt „s’Onna“, in dem er sich an seine Kindheit in Hambach (Lothringen) mit seiner Großmutter erinnert. Der aufkommenden Melancholie folgt das trotzige Lächeln von Marcel Adam, das dem Publikum dann wieder signalisiert, dass das Leben doch alles in allem schön ist. Ähnliche Stimmungslagen bieten die Titel „Liebe ist wie das Wasser“ oder „Auch das Schicksal und die Angst kommt über Nacht“, ursprünglich von Nena. Aus dem deutschsprachigen Raum brachte Marcel Adam u.a. Hannes Waders Lobeshymne auf gute Freunde („Gut wieder hier zu sein“), einen Song von Gitte Haenning („Ich will alles“) und Titel von „Element of Crime“ in Erinnerung. Marcel Adam singt an diesen Abend die bekannten Liebeslieder „Ohne mich“ und „Ein Hotdog unten am Hafen“, in denen Sven Regner von „Element of Crime“ auf einfühlsame („Ohne mich“) und witzig-freche („Ein Hotdog unten am Hafen“) Weise den Trennungsschmerz verarbeitete. In diesen Texten und Melodien, die Adam mit großer Gelassenheit und großer Authentizität vorträgt, vermittelt er die immense Spannweite der Gefühle, die das Lieben und das Leben ausmacht.  

Bei den französischen Liedern in seinem Programm dürfen die Großen des französischen Chansons natürlich nicht fehlen. Seinem Publikum gibt er derweil auf den Weg „Es gibt Lieder, die viel schöner sind, wenn man sie nicht versteht“. Dazu  gehören unter anderen Charles Aznavours „Emmenez-moi“, sein Sehnsuchtssong auf den Süden, wo Sonne und Liebe die Sorgen der Welt auflösen, Édith Piafs „ Tu me fais tourner la tête“, nach Marcel Adam, das schönste Liebeslied, das je von einer Frau geschrieben wurde - Liebeslieder seien ja eine Männerdomäne – und auch Jacques Brels „Dans le port d‘ Amsterdam“, eine Hymne auf die Lebenskraft der Seeleute im Amsterdamer Hafen. Traditionell klingt bei Marcel Adam der Abend mit Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ aus. Ein einfühlsamer Mutmacher-Text für den Nachhauseweg - von Dietrich Bonhoeffer aus seiner Gestapo-Haft 1944 kurz vor seiner Hinrichtung für seine Verlobte geschrieben – als Abschluss dieses bunten Straußes von Liedern und Chansons über die Wechselfälle der Liebe und des Lebens.                                       

Horst Immel             

 

 

 


Kabarett mit Philipp Lingenfelser und Matthias Berger im Aschingerhaus

Mit ihrem Kabarettprogramm „Einmal Mit, Einmal Ohne: Musikalische Satiren“ waren Philipp Lingenfelser und Matthias Berger im Rahmen der Freitagskonzerte des Kulturdreiecks am 08.06. 2018 im gut besuchten Aschingerhaus in Oberderdingen zu Gast. Der Titel lässt eine Zweiteilung, Gegensätze, Varianten des gleichen Themas erwarten. Und Gegensätze gibt es in der Tat genug an diesem Abend: das Künstlerduo aus badischem Komponisten /Texter (Philipp Lingenfelser) und schwäbischem Performer (Matthias Berger), aus Klavier und Gesang, aus Groß und Klein.  Dies sind allerdings nur die offensichtlichsten Gegensätze in dieser musikalischen Nummernrevue mit intelligenten Texten, alle aus der Feder von Philipp Lingenfelser. Dieser ist ein äußerst genauer Beobachter seiner Mitmenschen und seiner Umgebung und kommt in seinen Texten zunächst wie der freundliche Nachbarsjunge daher, der mit großer Freude und mit großen Augen seine Umgebung unheimlich wortreich beschreibt, lobt und lebendig werden lässt. So schmeichelt er seinen Sujets und seinen Figuren, robbt sich Vertrauen erheischend an sie heran, wiegt sie in Sicherheit, um dann plötzlich den Vorhang wegzureißen, die Fratze hinter dem freundlichen Lächeln, den Hundebiss hinter dem lieben Tier aufscheinen zu lassen.  Dabei spielt er mit großer Freude und Varianz mit der Sprache (etwa in dem Stück „enz“, in dem es nicht um den lokalen Fluss, sondern um Kompetenz, Flatulenz und Vehemenz geht) oder wenn er aus Archaismen („Wem ist der Mensch erbötig?“) einen komischen Effekt bezieht.

So bewegt sich die musikalische Reise zunächst durch die kleine Nahumgebung, vorbei an Haustieren, Musik, Blumen, Freunde, Glück, ehe im zweiten Teil Klimaschutz, Erfolg, Klickgesellschaft, alternde Gesellschaft in ihrer jeweiligen Doppelbödigkeit zum Thema gemacht werden. In Erinnerung bleiben etwa die Nummern „Blumenfrau“, die an ihrem Beruf leidet und zur „Blumenkerkersfrau“ mutiert oder der Titel „Ich habe Musik im Kopf“ vom kreativen Musiker, der die Musik liebt, aber auch unter ihr leidet. Die ewige deutsche Besserwisserei nimmt das Lied „Wären alle so wie wir“ aufs Korn. Unter die Haut geht die Nummer „Pflegeheim“, wo der Gegensatz zwischen Schein und Sein für alle greifbar wird. Philipp Lingenfelser beeindruckt hier besonders mit seiner variablen Tenorstimme, die sich an die verschiedensten Gemütslagen anpassen kann.

Matthias Berger gibt den ungehorsamen Widerpart zum Meister am Klavier, wenn er sich etwa in einem Titel beklagt, dass er immer alles gleich nachsingen muss, was der Meister komponiert hat, oder wenn er in einem anderen Lied jammert, dass Kritiker immer alles platt machen. Er mimt den eher lustigen Part, der nicht so stark an der Welt leidet wie sein klavierspielender Kollege. Er darf die Parodie auf den deutschen Männergesangverein vortragen, den sein Partner ja aus seiner eigenen Chorleitertätigkeit kennt. Auch muss Berger widerwillig einen Blues zu Gehör bringen, darf sich über die schwäbische Kehrwoche lustig machen und hat bei dem Titel „Mumienschubsen im Tanzcafé“ die Lacher auf seiner Seite.

Insgesamt ein vergnüglicher Abend mit Tiefgang und aufrüttelnden Zwischentönen – anspruchsvolles Kabarett eben fernab vom nervigen Comedy-Gedöns.  

Horst Immel